In meiner Arbeit werde ich immer wieder mit eigenartigen Annahmen รผber die Achtsamkeitspraxis konfrontiert. Da heisst es beispielsweise, Achtsamkeitspraxis:

  • heisst, alle Sinne einfach mal zu รถffnen und wahrzunehmen, was einem in diesem Moment entgegenkommt
  • dient der Entspannung
  • dient der Ablenkung in schwierigen Situationen
  • ist kontraindiziert bei hochsensiblen Menschen oder Menschen mit AD(H)S.

Personen, welche die oben genannten Annahmen an mich herantragen, sind meistens absolute Kopfmenschen. Sogar die Achtsamkeitsรผbungen bleiben bei diesen Menschen auf der Kopfebene haften!

Hier einige Beispiele:

  1. Die Achtsamkeitspraxis wird als Technik zur Entspannung betrachtet
  2. Sie wird lediglich in schwierigen Momenten angewandt
  3. Es wird mit einer Grundhaltung von Erwartung geรผbt
  4. Es wird vorwiegend mit dem Sehen, Hรถren, Riechen und Schmecken gearbeitet
  5. Die Kรถrperebene mit dem haptischen, taktilen und propriozeptiven Sinn wird hรคufig wenig bis gar nicht miteinbezogen.

Diese Annahmen nenne ich aus meiner Sichtweise Stolpersteine, die sich teilweise hartnรคckig aufrecht erhalten und grosse Hindernisse darstellen kรถnnen.

Stolperstein 1

Die Achtsamkeitspraxis ist nicht eine Technik, sondern mehr eine innere Haltung. Dabei wird geรผbt, im gegenwรคrtigen Moment prรคsent, wach zu sein. Wahrzunehmen was gerade geschieht, ohne dies verรคndern zu wollen oder zu bewerten. Achtsamkeit hat zudem damit zu tun, Freundlichkeit sich selbst gegenรผber zu kultivieren, selbst dann, wenn wir รคngstlich und enttรคuscht sind oder uns hilflos fรผhlen.

Es gibt einige Achtsamkeitsรผbungen wie beispielsweise der klassische Bodyscan (Wahrnehmungsreise durch den Kรถrper), der durchaus entspannend wirken kann- das ist ein wunderbarer Nebeneffekt!!

รœbt man sich in Achtsamkeit, kann es emotional ziemlich schwierig werden. Warum? Weil man durch das achtsam Sein prรคziser wahrnehmen lernt und beginnt, Schwieriges zuzulassen anstatt zu verdrรคngen wie bis anhin. Achtsam sein erรถffnet den Zugang zu Unbewusstem, รคhnlich wie Hypnose, hat also eine sehr tiefgreifende und lebensverรคndernde Wirkung und dient der Emotionsregulation!

Stolperstein 2

Wie oft kรถnnen wir anderen Menschen besser helfen als uns selbst?

Und genau wegen dieser Dynamik รผben wir uns im achtsam Sein so oft es mรถglich ist. Genau wie im Fitnesscenter, wo wir einen Muskel trainieren, trainieren wir uns dabei, achtsam zu sein. Auch mit dem Auto losgebraust sind wir erst, nachdem wir einige Fahrstunden genommen hatten. Kein Mensch bei guten Sinnen wรผrde einfach einsteigen und auf die Autobahn losfahren….

Stolperstein 3

Gehen wir in eine Erfahrung, Begegnung oder รœbung in einer Erwartungshaltung, schrรคnkt dies uns ein. Wir bleiben nicht offen, empfรคnglich und wertfrei fรผr das, was uns begegnen kรถnnte. Wir verlieren an Flexibilitรคt, Weite und Agilitรคt!

Stolperstein 4

Machen wir uns bewusst, dass das Auge und das Ohr die Haupteintrittsstellen fรผr Stressoren sind, kann es tatsรคchlich zur รœberflutung auf der Sinnesebene kommen und die allgemeine Reizรผberflutung noch verstรคrken!

Beziehen wir den Tastsinn und die Kรถrperwahrnehmung mit ein- so kommen wir auf einfache Weise vom Kopf weg in den Kรถrper.

Erfahre in diesem Artikel, wie du gut im Kรถrper sein kannst.

Stolperstein 5

Unsere Sinnesorgane sind nicht nur im Gesicht beheimatet. Es gibt noch einen weiteren Sinn. Den Sinn, der uns Informationen รผber unsere Kรถrperhaltung und die Lage bzw. Position im Raum (Propriozeption) รผbermittelt:

ย โ€žUnsere fรผnf Sinne ermรถglichen uns Reize von unserer Umwelt, also von aussen wahrzunehmen. Wir verfรผgen aber auch รผber ein Sinnessystem, welches uns ermรถglicht, die Bewegung unseres Kรถrpers zu spรผren. Dabei handelt es sich um Reize von innen. Wir nennen es โ€žkinรคsthetisches Sinnessystemโ€œ.
Es spielt eine besondere Rolle in der Kontrolle der Bewegung und der menschlichen Funktion. Nur durch die Bewegungsempfindung kรถnnen wir unser Gewicht in der Schwerkraft kontrollieren, unsere fรผnf Sinne einsetzen oder Herzschlag, Atmung etc. regulieren.โ€œย ย ย ย  ย ย ย ย ย ย ย  Lenny Maietta/Frank Hatch

Die obengenannten Aspekte beziehen den gesamten Kรถrper mit ein.

Aus diesem Grunde รผbe ich mit meinen Kundinnen und Kunden, die achtsame Kรถrperwahrnehmung und Bewegungsarbeit als Option zu sehen und diese zu erlernen.

Wichtig finde ich zudem sich klar zu machen, dass wir beim Wahrnehmen in Bewegung bleiben dรผrfen- unsere Aufmerksamkeit hin und her pendeln lassen kรถnnen: mal auf die visuellen Eindrรผcke achten, unsere Gefรผhle wahrnehmen, hรถren oder die Wirkung der Erdanziehungskraft erspรผren etc.

Man muss nicht ยซentweder- oderยป und auch nicht alles auf einmal!

ย Tipps:

  • รœbe mit einer inneren Haltung von kindlicher Neugierigkeit.
  • Auch wenn Du eine รœbung oder Erfahrung schon zum 100sten Mal machst, gehe darauf zu, als wรคre es das erste Mal fรผr dich.
  • Beziehe vermehrt deine Selbstwahrnehmung in Bewegung und die Wahrnehmung deines Kรถrpers mit ein.

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