Von so vielen Menschen höre ich eben diesen Satz. Begleitet von Selbstzweifeln, Frustration und Hoffnungslosigkeit.

Menschen arbeiten teilwiese seit Jahren an ihrer Persönlichkeitsentwicklung, üben sich in achtsamkeitsbasierten Techniken, machen regelmässig Sport oder Krafttraining, praktizieren Yoga oder andere Formen der Körperarbeit, lassen sich psychotherapeutisch begleiten und verstehen ihre Themen auf der kognitiven Ebene haarscharf.

Und dennoch geraten sie immer wieder in Zustände, wo einfach nichts mehr geht, wo die Gedanken nur noch in der Abwärtsspirale drehen, Gefühle von #Depression, #Ängsten und Dunkelheit überhand nehmen und der Körper wie gelähmt sogar motivierenden und positiven Gedanken nicht mehr folgt- als wären Kopf und Körper ganz voneinander getrennt.

Der Wille in die Handlung zu kommen kann noch so stark sein- der Körper bleibt wie betäubt, gelähmt oder in Erstarrung stecken.

Betrachten wir solche Zustände aus Sicht des autonomen oder vegetativen Nervensystems und bedienen uns des Wissens und der praktischen Erfahrung aus der #Polyvagaltheorie wird klar, dass sich der Körper des beschriebenen Menschen in einem Zustand absoluter Lebensbedrohung befindet!

Der Mensch kann nicht mehr kämpfen noch kann er flüchten, es gibt scheinbar keinen Ausweg…

Und hier kommt ein wichtiger Mechanismus zum Tragen: das autonome Nervensystem schaltet ab. Es fährt die Sinne und jegliche Systeme, welche mit Verdauung, Regeneration, sozialem Miteinander, Reproduktion- schlicht Lebensbejahung- zu tun haben, runter.

Es werden schmerzstillende Hormone ausgeschüttet, der Mensch nimmt nicht mehr richtig wahr, erlebt sich wie in Watte gepackt, sieht und hört nicht mehr klar.

Die Welt scheint für ihn nicht mehr erreichbar. Man fühlt sich ganz alleine, auch wenn man sich vielleicht mitten unter Menschen befindet.

Dieser Zustand ist ein Abschalten, bekannt als «Freeze», Erstarrung, hat mehrere Nuancen und kann im Totstellreflex und Ohnmacht enden.

Diese Zustände helfen uns, unaushaltbare Situationen nicht richtig mitzuerleben, einen schrecklichen Unfall beispielsweise oder eine Gewalttat möglichst schmerzfrei zu überleben.

Wichtig anzufügen ist hier, dass 𝐉𝐄𝐃𝐄𝐑 𝐍𝐞𝐫𝐯𝐞𝐧𝐬𝐲𝐬𝐭𝐞𝐦𝐳𝐮𝐬𝐭𝐚𝐧𝐝 𝐈𝐌𝐌𝐄𝐑 𝐞𝐢𝐧 𝐋ö𝐬𝐮𝐧𝐠𝐬𝐯𝐞𝐫𝐬𝐮𝐜𝐡 𝐢𝐦 𝐠𝐞𝐠𝐞𝐧𝐰ä𝐫𝐭𝐢𝐠𝐞𝐧 𝐌𝐨𝐦𝐞𝐧𝐭 𝐢𝐬𝐭.

𝐔𝐧𝐬𝐞𝐫 𝐚𝐮𝐭𝐨𝐧𝐨𝐦𝐞𝐬 𝐍𝐞𝐫𝐯𝐞𝐧𝐬𝐲𝐬𝐭𝐞𝐦 𝐦ö𝐜𝐡𝐭𝐞 𝐮𝐧𝐬 𝐳𝐮 𝐣𝐞𝐝𝐞𝐫 𝐙𝐞𝐢𝐭 𝐒𝐂𝐇Ü𝐓𝐙𝐄𝐍.

Nun ist es so, dass wir in der heutigen Zeit, zumindest in der Schweiz, keinen Krieg oder andere lebensbedrohliche Situationen wie starke Erdbeben oder einen angreifenden Säbelzahntiger fürchten müssen.

Jedoch funktioniert unser autonomes Nervensystem, welches aus Stammhirn, Hirnnerven und weiteren Hirnteilen besteht, noch wie zu Zeiten unserer Neandertalervorfahren.

Das Stammhirn ist der älteste Hirnteil, bringt am meisten «Lebenserfahrung» mit und übernimmt in Momenten starker Bedrohung die Führung.

Will heissen, dass unser Grosshirn, unser rationales, analytisches und denkendes Gehirn in solchen Momenten runtergefahren und ausgehebelt wird.

Bedrohungssituationen können ausgelöst werden durch Jobverlust, Mobbing in Schule/Beruf, Überforderung innerhalb der Familie, traumatisch erlebte Geburt, Unfälle, Gewalterfahrung etc.

Jedoch auch die «Erinnerung» (Neurozeption) an bereits durchgemachte Lebensbedrohliche Erfahrungen kann uns Abschalten, weil uns das Nervensystem vor erneuter Verletzung schützen will:

destruktive Beziehungsdynamiken, wenn wir Anerkennung nur durch Leistung erfahren haben, wenn Liebe an Bedingungen geknüpft war, wenn wir als Kinder unerwünscht waren etc.

Wir verlieren in solchen Momenten den Zugang zu unseren Ressourcen. Willensentscheide werden verunmöglicht und Selbstfürsorge kann somit kaum bis gar nicht praktiziert werden.

𝐖𝐚𝐬 𝐤ö𝐧𝐧𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐫 𝐧𝐮𝐧 𝐭𝐮𝐧?
Ein ganz einfacher Grundsatz unterstützt hier sondergleichen «𝐖𝐞𝐧𝐢𝐠𝐞𝐫 𝐢𝐬𝐭 𝐦𝐞𝐡𝐫!».

Anbei ein paar Beispiele- nicht alles davon muss geübt werden

  • Schenke dir mehrmals am Tag kurze Momente der Selbstfürsorge (zwei- dreimal bewusst Ausatmen)
  • Nimm zwischendurch deinen Körper bewusst wahr: bist du an- oder entspannt? Wie erlebst du deinen inneren Zustand? Meldet sich irgendwo ein Schmerz? Fühlst du dich im gegenwärtigen Moment wohl im Körper?
  • Nimm deinen Energiezustand wahr: Brauchst du eine Pause? Magst du weitermachen? Zwingst du dich dranzubleiben trotz Müdigkeit oder Erschöpfung?
  • Nimm deine emotionale Ebene wahr: sind gerade Gefühle da? Kannst du sie benennen? Erlebst du die Gefühle als neutral oder überflutend?
  • Wie ist deine Konzentration? Ist dein Kopf klar oder neblig?

Da wir Menschen 𝐛𝐢𝐨𝐥𝐨𝐠𝐢𝐬𝐜𝐡 𝐛𝐞𝐝𝐢𝐧𝐠𝐭 𝐬𝐨𝐳𝐢𝐚𝐥𝐞 𝐖𝐞𝐬𝐞𝐧 sind ist es in Momenten, wo uns der Zugang zu Ressourcen fehlt, hilfreich, wenn wir Kontakt zu einem unterstützenden Menschen haben.

Haustiere unterstützen ebenso enorm. Haben wir selbst kein Haustier kann es helfen, beim Bauern im Dorf die Kühe oder Pferde zu besuchen oder den Nachbarshund zu streicheln.

Die Natur ist bedingungslos für uns da, weshalb Aufenthalt in der Natur oder ein schönes Naturbild betrachten bereits nervensystemregulierend wirkt und unsere unterschiedlichen Sinne weckt.

Das für mich absolut Hilfreichste, um nicht zu tief oder zu oft in abgeschaltete Momente abzurutschen, ist: 𝐝𝐚𝐬 𝐊𝐞𝐧𝐧𝐞𝐧𝐥𝐞𝐫𝐧𝐞𝐧 𝐝𝐞𝐫 𝐮𝐧𝐭𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞𝐝𝐥𝐢𝐜𝐡𝐞𝐧 𝐍𝐞𝐫𝐯𝐞𝐧𝐬𝐲𝐬𝐭𝐞𝐦𝐳𝐮𝐬𝐭ä𝐧𝐝𝐞 𝐦𝐢𝐭 𝐢𝐡𝐫𝐞𝐧 𝐑𝐞𝐬𝐬𝐨𝐮𝐫𝐜𝐞𝐧.

Das autonome Nervensystem «spricht» durch unseren Körper. Erforschen wir die unterschiedlichen Nervensystemzustände erhalten wir eine Art 𝐢𝐧𝐧𝐞𝐫𝐞 𝐋𝐚𝐧𝐝𝐤𝐚𝐫𝐭𝐞, welche uns Orientierung und Sicherheit gibt.

Unser Körper gibt uns Anhaltspunkte dazu, wo wir gerade stehen und was wir aus Nervensystemsicht brauchen, um wieder 𝐢𝐧 𝐕𝐞𝐫𝐛𝐢𝐧𝐝𝐮𝐧𝐠 𝐦𝐢𝐭 𝐮𝐧𝐬 𝐬𝐞𝐥𝐛𝐬𝐭 zu sein oder 𝐕𝐞𝐫𝐛𝐮𝐧𝐝𝐞𝐧𝐡𝐞𝐢𝐭 𝐳𝐮 𝐮𝐧𝐬𝐞𝐫𝐞𝐧 𝐌𝐢𝐭𝐦𝐞𝐧𝐬𝐜𝐡𝐞𝐧 zu erfahren.

Gerne begleite ich dich auf der Forschungsreise zu deinem autonomen Nervensystem und zu deiner persönlichen Selbstfürsorge- ohne Hast oder Leistungsdruck.

Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme hier clicken