Schlagwort Abgrenzung

Jeder hat schon davon gehört, viele wissen nicht, was das wirklich bedeutet bzw. wie man Abgrenzung im Alltag umsetzt. Eine enorm wichtige Grundvoraussetzung, um Abgrenzung gut leben zu können ist, sich selber wahrzunehmen! Abgrenzung hat u.a. zu tun mit Nähe – Distanz im räumlichen Sinne, aber auch bezogen auf unsere Gefühls- und Gedankenwelt. Abgrenzung wird oft als „zu hart“ empfunden, gerade auf der Beziehungsebene. Abgrenzung wird häufig mit Einsamkeit, Liebesentzug, der Angst davor, jemanden zu verletzen aber auch mit Schutz in Verbindung gebracht. Sind wir uns unserer Grenzen bewusst, gelingt es und angstfreier in Kontakt mit Mitmenschen zu treten! Mein ausführlicher Blogartikel darüber, was Abgrenzung bedeutet, findest du hier

Der Körperinnenraum

Im inneren unseres Körpers nehmen wir die eigene Körperhaltung, also die Lage der verschiedenen Körperteile, sowie eigene Bewegungen im Raum wahr. Diese sensorische Wahrnehmung unserer selbst nennt man Propriozeption. In unseren Körperinnenraum sind aber auch unsere Gefühle beherbergt, sowie unsere Gedanken. Wir kennen Ausdrücke wie: ausser sich – neben sich – bei sich sein. Wir geraten beispielsweise „ausser uns“, wenn wir empört sind. Wir stehen „neben uns“, wenn wir erschrocken oder schockiert sind und sind „bei uns“, wenn wir uns gesamthaft- auf allen Ebenen- wahrnehmen und im gegenwärtigen Augenblick ganz präsent sind. Sind wir in unsere Gedanken versunken oder von Gedanken gar „besetzt“, sind wir nicht „bei uns“, was für ein Gegenüber spürbar ist.

Die Haut

Unsere Haut begrenzt im anatomisch/ physiologischen Sinne unseren Körperinnenraum und beschützt ihn beispielsweise vor Umwelteinflüssen, Stössen, wärmt bzw. kühlt ab etc. Über die Haut wird aber auch eine Verbindung nach Aussen, zur Umwelt geschaffen. Die Haut beherbergt diverse Rezeptoren, wie Schmerz-, Temperatur- oder Druckrezeptoren. Die Haut reagiert auf unsere Emotionen, wenn wir beispielsweise in einer für uns peinlichen Situation erröten. Oder wenn wir bleich werden vor Schreck.

Der Körperaussenraum

Dieser Raum bezeichnet die unmittelbare Umgebung um uns herum. Wenn wir die gestreckten Arme und Beine um uns herumbewegen, zeichnen wir quasi die Grenzen dieses Körperaussenraumes oder Körperumraumes, auch Kinäsphere genannt. Dieser Körperaussenraum wird wiederum in eng/nah (Arme hängen am Körper herunter) – mittel (wir winkeln unsere Ellbogen an) – und weit (wenn unsere Arme und Beine in der vollen Ausdehnung sind) unterteilt. In der Interaktion ist es in unseren Breitengraden üblich, eine Armlänge Distanz zu einem Gegenüber zu wahren als Zeichen des Respekts.

Der Wohlfühlraum

Manchmal brauchen wir zu einem Gegenüber aber eine grössere Distanz als eine Armlänge, oder eine Kleinere. Der Wohlfühlraum ist direkt an unser psychisches Befinden gekoppelt und nicht konkret sicht- aber sehr direkt spürbar: Wir befinden uns im Supermarkt in der Warteschlange und die Person hinter uns drängt sich nahe an uns ran. Wir spüren ein inneres Unbehagen, vielleicht einen Fluchtreflex oder werden wütend.

Persönlicher Raum

Dieser Raum ist meines Erachtens schwierig in Worte zu fassen, da er im Erleben am besten spürbar ist. Dieser persönliche Raum lässt sich anpassen oder variieren- und zwar von uns selbst. Stehen wir beispielsweise in einem voll besetzten Fahrstuhl, wird unser Wohlfühlraum mit grosser Sicherheit beschnitten. Was nun?? In ganz vielen Fällen verliert der Mensch in so einer Situation das Gefühl für den persönlichen Raum und vor allem für seine GRENZEN! Das bedeutet extremer Stress für das gesamte System Mensch, weil diese Situation als Grenzüberschreitung empfunden wird. Lernen wir nun unsere Grenzen und den innerhalb dieser Grenzen bestehenden Raum wahrzunehmen und zu achten, können wir damit arbeiten. Das bedeutet: Muss ich meinen Wohlfühlraum aus irgend einem Grunde verkleinern (anpassen an äussere Gegebenheiten), bleiben meine GRENZEN dennoch bestehen! Der RAUM wurde verkleinert aber die GRENZEN bleiben bestehen!

Wie macht man das nun konkret?

Kommen eigene Grenzen in Gefahr oder werden sie gar überschritten, reagiert der KÖRPER umgehend. Unser System sendet Vorzeichen aus, die wir beispielsweise als innere Verunsicherung, sich kleiner fühlen, flachere Atmung, Kloss im Hals, Enge in der Brust, Grummeln in der Magengrube, sich überschlagende Gedanken oder ähnliches wahrnehmen. Herzklopfen oder Schweisshände deuten bereits auf einen ziemlich erhöhten Stresspegel hin.

  „Wenn sie sich auf einer körperlichen Ebene um diese Grenzen kümmern, können sie sich sowohl emotional geschützter, als auch mit ihrer unmittelbaren Umgebung verbundener fühlen“. Thea Rytz.

Mittels dem Erlernen von Körperwahrnehmung und dem Kultivieren eines Körperbewusstseins wird es möglich, das Bedürfnis nach Raum und Grenzen wahrzunehmen. Wissen wir, was wir brauchen, können wir uns dafür einsetzen und für uns selbst sorgen. Richten wir unsere Aufmerksamkeit nun vermehrt auf unseren Innenraum und unsere Ausdehnung, unsere Körperhaltung, arbeiten wir ebenso an unseren Grenzen. Wir müssen uns dann nicht dauernd um Abgrenzung bemühen, sondern leben in einem lebendigen Bewusstsein für unsere Bedürfnisse und treffen klarere Entscheidungen. Wir leben viel mehr von innen heraus als dass wir erst reagieren, wenn etwas massiv von aussen an uns heran tritt. Beziehen wir Körperwahrnehmung und das Bewusstsein von Körperinnen- aber auch Aussenraum mit ein, können wir einfacher mit den Thema Abgrenzung arbeiten. Es geht immer wieder darum nachzuprüfen, wo wir uns im körperlichen und im übertragenen Sinne ausdehnen oder zurückziehen– einengen. Sind wir uns der verschiedenen Räume bewusst und lernen uns wahr- und ernst zu nehmen, muss uns das Thema auch nicht so sehr beängstigen. In diesem Blogartikel findest du nochmals eine Argumentation dafür, warum Abgrenzung wichtig ist. Tipp: Befindest du dich in einer Stresssituation atme zwei- dreimal etwas tiefer ein und aus als sonst. Stelle dir dabei vor, du würdest dich bei jedem Atemzug ausdehnen- wie ein Ballon, den du aufbläst. Stelle dir diese Expansion deines Körpers besonders im Hals, oberen Brustbereich oder bis zur Magen-/Bauchgegend vor- je nachdem, wo du jeweils unangenehme körperliche Reaktionen bei Stress und Druck wahrnimmst oder du das Bedürfnis nach Ausdehnung verspürst. Manchmal hilft es auch sich vorzustellen, man würde sich noch über den eigenen Körper hinaus ausdehnen! Viel Spass beim Ausprobieren und ich würde mich riesig darüber freuen zu hören, wie diese kleine Übung bei dir wirkt smile Das Thema interessiert dich und du möchtest noch mehr darüber lernen? Dann vereinbare einen Termin für das kostenlose Kennenlerngespräch.